Hildesheim (bar).
Die Hildesheimer Bürgerstiftung hat ihren zehnten Geburtstag mit einem Festakt im Sitzungssaal des Rathauses zusammen mit Stiftern, Förderern und Freunden gefeiert. Dr. WilhelmKrull, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Stiftungen, verglich die 70 Gründer der Bürgerstiftung mit dem Hildesheimer Seefahrer Didrik Pining: Auch sie seien Pioniere gewesen, wagten sich auf unbekannte Gewässer, denn im Jahr 2001 habe es kaum Bürgerstiftungen in Deutschland gegeben. Inzwischen sei das Stiftungskapital von 113 500 Euro auf 1,6 Millionen Euro angewachsen, 192 Bürger und Unternehmen aus Stadt und Landkreis hätten sich eingebracht, sagte der Stiftungsvorsitzende Dr. Hans-Peter Geyer.
In zehn Jahren wurden 400 Projekte mit 600 000 Euro gefördert. Etwa ein Drittel der Projekte inszenierte die Bürgerstiftung selbst. Die Stiftung lege bei ihrer Arbeit besonderen Wert auf die nachhaltige Wirkung langfristiger Förderungen. Diese sei nur dank der zuverlässigen Einkünfte durch das eigene Kapital möglich. Es gebe einen regelrechten "Stiftungsboom" in Deutschland, sagte Festredner Krull. Deren Erfolg sei nur möglich durch den Einsatz zahlreicher Ehrenamtlicher. Viele Bürger wollten etwas bewirkenund verändern. Dieses "soziale Kapital" halte die Gesellschaft zusammen.
1900 Stiftungen gebe es zurzeit in Niedersachsen, berichtete Finanzminister Hartmut Möllring. Dass so viele in den vergangenen Jahren gegründet wurden, sei auch auf ein verbessertes Stiftungsund Steuerrecht zurückzuführen: "Das Größte ist es für den Menschen, Steuern zu sparen." Doch während der Staat auf der einen Seite weniger Steuern einnehme, so übernähmen ja die Stiftungen dafür sehr effektiv viele Aufgaben für die Öffentlichkeit. Auch Oberbürgermeister Kurt Machens dankte der Bürgerstiftung für "zehn Jahre wunderbare Arbeit." "Sie haben die Stadt Hildesheim lebenswerter, bürgernäher, sozialer und interessanter gemacht." Zu den ersten Anschaffungen der Stiftung hatten Trommeln für die Anne- Frank-Schule gehört – und die Trommelgruppe der Schule dankte dafür mit einem rhythmisch-lebhaften Start des Festaktes.
Die Trommeln seien eine "Erfolgsgeschichte ohne Ende", erklärte Trommellehrer Holger Gerstaedt. Inzwischen habe die Stiftung acht Schulen ausgestattet: "In Hildesheim wird mehr getrommelt als in Afrika." Vorsitzender Geyer zeichnete während des Festes den Designer German Gebhard als Ehrenstifter aus. Gebhard unterstütze die Bürgerstiftung seit zehn Jahren, indem er unentgeltlich Drucksachen wie Flyer und Banner gestalte, sagte Geyer. Dank Unternehmen wie der Werbeagentur Gebhard könnten die Erträge voll in die Projektförderung fließen.
Im Rahmen der Feier wurden auch die Sieger des Fotowettbewerbes "Hildesheim! Hildesheim!" ausgezeichnet, zu dem die Bürgerstiftung aufgerufen hatte. Bei der Bewertung sei es vor allemum eine kreative Umsetzung des Themas, der eigenen Beziehung zur Stadt gegangen, erläuterte Vorstandsmitglied Reinald Bever. Über den mit 300 Euro dotierten ersten Preis freuten sich Schüler der Klasse 4a der Didrik-Pining-Schule. Sie hatten ihre Idee mit Unterstützung von Nicole Parchanski und Silvia Hagemann umgesetzt: Fröhliche Kinder mit dem Hildesheim-Schriftzug in den Händen vor einer bemalten Wand in ihrem Stadtteil.
Platz zwei (200 Euro) ging an Meike Niedermeier für eine originelle Collage, Platz drei (100 Euro) an Manfred Baule für das Foto einer Baustelle vor gemalter Stadtansicht. Einen Sonderpreis gewann Franziska Lenferink; ausgezeichnet wurden auch Till Jagel, Lukas Köps und Georg Traeger für eine Gemeinschaftsarbeit sowie Götz Neuendorf und Eberhard Höfer. Für beschwingteMusik beim Festakt sorgten Marcel Evers und Marius Ruhnau.