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Kreis Hildesheim (abu).
Die Niedersächsischen Landesforsten wollen ein großes Waldgebiet im Südkreis verkaufen. Es geht um das "Herrenholz" zwischen Vorbergen und Sieben Bergen, zwischen Eberholzen und Alfeld. Nach den Vorstellungen der Landesforsten soll das 121,5 Hektar große Areal rund 3 Millionen Euro in die Landeskasse spülen und Finanzminister Hartmut Möllring damit beim Haushalt helfen. Es ist aktuell das größte Waldstück, dass das Land in Niedersachsen zum Verkauf anbietet. Die mächtigen, meist 80 bis 160 Jahre alten Buchen, zwischen denen der Spaziergänger wandert und die 89 Prozent der Bäume dort ausmachen, stehen auf königlichem Boden. Zumindest historisch betrachtet.
Denn es ist jener Teil von Vorbergen und Sieben Bergen, den sich einst der König von Hannover als seinen Anteil ausbedungen hatte, während der größte Teil der Waldflächen an die umliegenden Dörfer und Gemeinden ging, deren Bewohner sie dann gemeinsam nutzten. Wohl kein Zufall, dass der Monarch gerade jenes Waldstück nahm, das von allen Dörfern am weitesten weg liegt. Spätfolge dieses Modells: Heute gehört ein Großteil der Wälder in der Region örtlichen Forstgenossenschaften, in denen sich Bürger zusammengeschlossen haben – was früher der Krone gehörte, ging an den Staat über. Und der will es nun privatisieren. Zum Hintergrund: 2005 wurden die Landesforsten als "Anstalt öffentlichen Rechts" aus der Landesverwaltung ausgegliedert.
Das Unternehmen muss daher bis 2014 insgesamt 132 Millionen Euro durch Immobilienverkauf an das Finanzministerium liefern. Ein Beispiel für diese sogenannte "Verwertungsoffensive" war in dieser Region im vergangenen Jahr der Verkauf des alten Forsthauses in Wehrstedt. Das Projekt "Herrenholz" hat jedoch eine etwas größere Dimension. 2,95 Millionen Euro nennen die Landesforsten als "Kaufpreisvorstellung" für die Fläche. Die soll "gegen Meistgebot" an den Mann gebracht werden. Ob es dabei auch ein Mindestgebot gibt, ist unklar. In der Zentrale der Landesforsten in Braunschweig war gestern kein Ansprechpartner zu erreichen.
Warum gerade das Herrenholz? Dafür spricht offenbar vor allem die Lage. Aus organisatorischenund letztlichauchKostengründen versuchendie Landesforsten, sich auf große zusammenhängende Flächen zu konzentrieren. Und die Fläche am Südrand der Gemeinde Eberholzen (Samtgemeinde Sibbesse) mag zwar auf den Laien groß wirken, doch in Relation zur gesamten Waldfläche in Niedersachsen ist sie eher klein. Um 330000 Hektar Wald in Landesbesitz kümmern sich die Förster und andere Mitarbeiter der Landesforsten derzeit. Das Herrenholz jedoch, klein im Vergleich, ist umgeben von Waldstücken, die verschiedenen Forstgenossenschaften gehören. Aus deren Reihen könnten sich auch mögliche Interessenten rekrutieren, vielleicht teilen sich sogar mehrere dieser Verbünde den Kuchen. Einzelne Käufer sind bei dieser Größenordnung eher selten.
Was das Gelände wertvoll machen kann, ist gerade diese Größe. Denn ein über 75 Hektar großes, zusammenhängendes Waldstück ist zur "Eigenjagd" berechtigt. Das bedeutet: Der Besitzer muss sein Areal nicht mit den Bereichen anderer Waldeigentümer zu einem Jagdbezirk zusammenlegen, sondern kann dort eigenständig jagen, was manchemlieber ist als das Waidwerk im Kollektiv – oder das Revier als Ganzes verpachten. Jedenfalls tummeln sich in dem Revier laut Exposé reichlich Rehe und Wildschweine, aber auch einige Hirsche. Doch es müssen nicht zwingend reiche Jäger oder Forstgenossenschaften sein, die ein Waldstück wie das Herrenholz erwerben. In den vergangenen Jahren haben die Landesforsten verstärkt beobachtet, dass auch Unternehmen verschiedener Größe Kapital in und unter Bäumen anlegen. Auch dann, wenn sie zum Beispiel Autos bauen und den Wald selbst gar nicht nutzen.
Stattdessen gilt der Forst offenbar in immer mehr Vorstandsetagen als interessante Alternative für die Geldanlage. Zum einen, weil er als wertbeständig gilt, zum anderen, weil die in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegenen Holzpreise die wirtschaftliche Attraktivität des Waldes wieder deutlich erhöht haben. Wer das Herrenholz auch kauft – er kann dort nicht machen, was er will. Der Forst bleibt Teil eines Landschafts- Schutzgebietes, die Europäische Union hat ihn zudemals FFH-Schutzgebiet ausgewiesen, weil es sich um einen der nördlichsten Kalk-Buchenwälder in Deutschland handelt. An diesen Schutz-Bestimmungen ändert ein Besitzerwechsel nichts.
Und auch die vielen Spaziergänger, die das große Waldgebiet zwischen Alfeld, Leinetal und Despetal gern für ausgedehnte Spaziergänger etwa zum Brüggener Tafelturm nutzen, brauchen nicht fürchten, dass ihnen der Weg plötzlich versperrt ist.