Hildesheim (hei).
Verliert Hildesheim zum Jahresende eine Landesbehörde? Rund 70 Mitarbeiter organisieren von hier aus die Lehrerbildung für ganz Niedersachsen. Die Landesregierung plant jetzt einen Behördenumbau – und der künftige Standort ist noch offen. Doch am Ende könnte Hildesheim sogar gewinnen. Im ehemaligen Haus der Großvogtei an der Keßlerstraße gehen derzeit Gerüchte um, viele Mitarbeiter machen sich Sorgen. Der Grund: Das Niedersächsische Landesamt für Lehrerbildung und Schulentwicklung (Nils) steht vor einer Neuorganisation. Zum Ende des Jahres soll eine neue Behörde entstehen, wahrscheinlicher Name: Landesamt für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Zu diesem soll auch die Schulinspektion gehören, die seit fünf Jahren alle Schulen des Landes unter die Lupe nimmt. Doch der Hauptsitz dieser Behörde ist das Schloss von Bad Iburg. Das Land will nun beide Behörden zusammenführen – wo aber, ist nicht nicht entschieden.
"Ja, unter den Mitarbeitern gibt es Unruhe", bestätigt Professor Wolf-Dieter Hasenclever, Chef des Nils. Zwar müsse niemand die Entlassung fürchten, doch auch ein neuer Dienstort würde viele vor Probleme stellen. Bis Ende Oktober will das Kultusministerium einen Standort- Vorschlag machen. Danach entscheidet die Landesregierung, ob die Hildesheimer Behörde nach Bad Iburg zieht – oder umgekehrt. Der Hildesheimer FDPKreisverband befürchtet bereits das Schlimmste: "Einer der letzten Landesbehörden in Hildesheim droht das Aus", warnt Christine Siegert-Anders, Kreisvorsitzende der Liberalen. Doch Hildesheim hat mächtige Unterstützer. Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) will sich für den Standort stark machen. Seine Botschaft an die Behördenmitarbeiter: "Die Entscheidung fällt im Kabinett und ich wäre da ganz entspannt."
Auch die Regierungsfraktionen sehen gute Argumente für die Domstadt. Zum einen arbeiten beim Nils rund 70 Mitarbeiter, in Bad Iburg sind es nach Angaben von Schulinspektionsleiter Bert Märkl etwa 20. Björn Försterling, bildungspolitischer Sprecher der Liberalen im Landtag, verweist auch auf die verkehrsgünstige Lage Hildesheims und die Nähe zu anderen Behörden. In Bad Iburg hingegen gibt es nicht einmal einen Eisenbahnanschluss. Eine Rolle spielt auch das Bildungsportal "Nibis". Dort können Schulen zahlreiche Materialien herunterladen – der Server steht an der Richthofenstraße. "Da wurde viel Geld in Klimatechnik und Datenleitungen investiert, so etwas lässt man nicht einfach umziehen", sagt Försterling. Er sieht auch seinen CDU-Kollegen Karl-Ludwig von Danwitz auf seiner Seite: "Die Vorteile liegen bei Hildesheim." Das Land versucht derzeit, für Bad Iburg einen Ersatz zu fi nden. "Mit der Immobilie müssen wir ja irgendetwas machen, die ist ja gut ausgebaut", sagt Finanzminister Möllring. Und wenn dieses Problem geklärt sei, sagt der CDU-Abgeordnete Försterling, dann gebe es überhaupt kein Argument mehr gegen Hildesheim.