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1. September 2010 • Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Picasso wäre begeistert gewesen

"Eigen.Art.Ich": Künstlergruppe "Wilderers" zeigt Promi-Portraits in der Sparkassenfiliale Almsstraße

VON ANDREAS KREICHELT
HILDESHEIM.
Wohin der Blick auch schweift: Überall in der Schalterhalle der Sparkassen-Filiale Almsstraße hängen Prominente. Unter anderem Rudolf Schenker von den Scorpions, OB Kurt Machens oder die HipHop-Weltmeisterinnen Kim und Tessa Achtermann . Auf Staffeleien und an Wänden, wohlgemerkt. Das hat einen triftigen Grund. Die Künstlergruppe "Wilderers" der Diakonie Himmelsthür hat zwölf bekannte Gesichter aus Hildesheim und Umgebung porträtiert. Ein Großteil von ihnen will sich auf der Vernissage der Ausstellung "Eigen.Art.Ich" das Ergebnis anschauen. Ob nun aus Politik, Kultur oder dem Sozialbereich: Sie alle haben eine Gemeinsamkeit– die große Begeisterung für die Art, wie die "Wilderers" sie wahrgenommen haben. Die Bilder sind bunt und unkonventionell. Da ist "Wilderers"-Malerin Ilona Röpke, die zumeist ihre Modelle ausschließlich in Knallgelb gemalt hat.

Marco Tollkühn, der mit dickem Pinselstrich flächige Farbkompositionen auf die Leinwand gebracht hat. Einen Kontrast dazu bilden die ins Detail verliebten Werke von Silke Lüdecke, Jenny Kriszio, Sabine Dumke, Doris Sprenger und Hans Joachim Teske. Die komplett abstrakt gehaltenen Bilder von Nicole Lorenz runden die große Bandbreite ab. So unterschiedlich all diese Gemälde auch wirken: Sie haben alle eine Gemeinsamkeit. Alle Künstler haben ihren eigenen, unabhängigen Stil gefunden, der unbestritten für hohen Wiedererkennungswert und für Unverwechselbarkeit sorgt. Nicht eigenartig, sondern halt "Eigen.Art.Ich.". Das betont auch der niedersächsische Finanzminister und Porträtierte Hartmut Möllring in seiner Eröffnungsrede und fügt hinzu: "Überraschend, was hier heraus gekommen ist." "Eine gute Idee besticht durch Einfachheit", fasst "Eigen. Art.Ich"-Initiator Ralf Dittrich von der Werbeagentur Hauptvogel und Dittrich/ Medic-ci die Inhalte der Ausstellung zusammen. Sparkassen-Vorstand Peter Block, der auch Modell stand, lobt das "große Engagement der Künstlergruppe, ihre Fragen, ihre Einfälle, ihre Herangehensweise" und erklärt: "Es hat mich sehr angerührt." Zudem betont Block, es handele sich um eine ganz besondere Vernissage. Einmal natürlich aufgrund des Themas des von der Sparkasse geförderten Projekts, und außerdem als krönender Abschluss einer langen Reihe von Ausstellungen im Ambiente der Schalterhalle an der Almsstraße.

Nach dem Umbau werden dort keine Ausstellungen mehr möglich sein. Während Block sofort begeistert von der Idee war, gibt Ulrich Stoebe, Direktor der Diakonie Himmelsthür, offen zu: "Ich war zunächst skeptisch." Groß wären seine Ängste und Sorgen gewesen, dass die Künstlergruppe als eine Art Karikatur ihrer selbst dargestellt werden könnte. "Doch dann sah ich die Dynamik zwischen Künstlern und Prominenten und merkte: Der Prozess des Schaffens ist vielleicht das Schönste. Nämlich wenn Menschen mit Behinderung und Prominente aufeinander treffen und die Unterschiede zwischen ihnen unbedeutend werden." "Wilderers"-Projektleiterin und Kunstpädagogin Almut Heimann entführt in einem kurzen Exkurs in die Geschichte der Kunst von Menschen mit Behinderung und resümiert: "Was einst als Outsider-Kunst bezeichnet wurde, ist heute, 100 Jahre nach Hans Prinzhorn, Kunst von und für Insider."

Prof. Paul König, auch einer der porträtierten Promis, gibt Heimann Recht: "Künstler wie Picasso waren begeistert von der Ursprünglichkeit und der archaischen Kraft jener Werke, die den Begriff Art Brut prägten." Es folgt, auf ausdrücklichen Wunsch der "Wilderers" und passend zum Thema eine wilde HipHop- Tanzshow. Für die Nachhaltigkeit der Arbeit der "Wilderers" sorgt neben dem Verkauf der Bilder der Kalender, realisiert und finanziert vom Quensen Verlag für das Jahr 2011. Hier sind die schönsten Werke sowie Einblicke in den Schaffensprozess zu sehen. Die Erlöse fließen komplett in die Arbeit der "Wilderers". Bisher ist er für 12,50 Euro erhältlich in der Sparkassen- Filiale Almsstraße, im Mehrgenerationenhaus, in der VKS Pfaffenstieg sowie telefonisch bei Almut Heimann unter 60 43 07.