Schriftgröße: Schrift verkleinern Schriftgröße zurücksetzen Schrift vergrößern
März 2010
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
1
2
3
4 5 6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
Home > Pressespiegel März 2010 > 16. März 2010

16. März 2010 • Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Nach 390 Jahren noch immer oben auf

Dachdecker-Innung Hildesheim feiert Jubiläum als eine der ältesten Handwerker-Innungen Niedersachsens

Hildesheim (lyh).
Die Zahl 390 mag in Verbindung mit einem Jubiläum zunächst etwas ungewöhnlich anmuten. Weil die Dachdecker-Innung Hildesheim mit ihrer Gründungsurkunde aus dem Jahr 1620 aber zu den ältesten Handwerker- Innungen in ganz Niedersachsen gehört, hat sie den 390. Jahrestag ihrer Gründung groß gefeiert. Eine stattliche Gästeschar begrüßte Obermeister Heinz-Adolf Engelmann zum Fest im Parkhotel Berghölzchen. Dabei waren Kollegen aus anderen niedersächsischen Dachdecker-Innungen und Vertreter der Bau-, Tischler-, Elektro-, Sanitär- und Kfz-Innungen, aber auch politische Prominenz wie der Staatsminister im Bundeskanzleramt Eckart von Klaeden (CDU), der Bundestagsabgeordnete Bernhard Brinkmann (SPD), Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), der stellvertretende Landrat Horst Witte (SPD) und Hildesheims Oberbürgermeister Kurt Machens. Letzterer wies in seiner Festansprache darauf hin, dass die am Dom und an der Michaeliskirche gefundenen Fragmente der sogenannten Bernwardziegeln, die Stempel mit dem Namen des prominenten Bischofs tragen, sogar eine 1000-jährige Geschichte des Dachdeckerhandwerks in Hildesheim belegen.

„Mit bundesweit fast einer Million Betriebe, Tausenden von Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 500 Milliarden Euro ist das Handwerk heute ohne Zweifel ein Schrittmacher der deutschen Wirtschaft“, konstatierte Machens. Applaus bekam der Oberbürgermeister für den Hinweis darauf, dass die Stadt einen beträchtlichen Anteil der bisher für Gebäudesanierungen ausgegebenen Konjunkturpaket-II-Mittel an Firmen aus Stadt und Land gezahlt habe. „Dass sie die Aufträge bekommen haben, zeigt, dass unsere regionalen Unternehmen konkurrenzfähig sind“, sagte Machens. Das Selbstbewusstsein seiner Zunft drückte Festredner Stephan Eickhoff, seines Zeichens Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerkes, auch in Richtung der politischen Riege aus.

„Welcher Autohersteller war schon vor 390 Jahren da und werden wir in 390 Jahren überhaupt noch Autos brauchen?“, fragte er provokant in die Runde. Und fügte hinzu, dass mindestens hinterfragt werden dürfe, ob die politische Wertschätzung für die „Global Player“ immer richtig verteilt sei. Den Innungen maß er eine große Bedeutung für den Erhalt des Handwerks und seiner Werte zu. „Wir Handwerker arbeiten hier vor Ort, wir zahlen hier unsere Steuern und ziehen hier unsere Kinder groß“, sagte Eickhoff. Mit Grußworten gratulierten außerdem Horst Witte im Auftrag des Landrates, Jürgen Herbst als Präsident der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen und Traugott Grundmann als Landesinnungsmeister des Dachdeckerhandwerks Niedersachsen-Bremen.

Wie ihre Berufskollegen vor fast 400 Jahren gearbeitet und welche Regeln sie sich gesetzt hatten, darüber berichteten zum Abschluss der Feierstunde Alfred Rengelshausen und Heinrich Meier. Zwei Jahre lang haben sich die beiden Ehrenobermeister mit der Erstellung einer 70-seitigen Chronik der Dachdecker-Innung Hildesheim von 1620 bis heute beschäftigt und aus dem Stadtarchiv, den Unterlagen der Innung und von Kollegen viel Wissenswertes zusammengetragen. So zitierten sie aus der Gründungsurkunde, dass die Innung schon bei ihrer Gründung festgelegt hatte, wie lange gearbeitet wurde, dass kein Fremder oder Amateur auf das Dach durfte, dass bei Schlägereien unter Kollegen Strafen fällig wurden oder dass Lehrlinge – die zu dieser Zeit Lehrgeld zahlen mussten und dafür im Haushalt des Meisters lebten – nicht von anderen Lehrmeistern abgeworben werden durften.

„Schon damals haben die Kollegen gewusst, dass ohne Nachwuchs kein Bestand zu erreichen ist“, kommentierte der aktuelle Obermeister Heinz-Adolf Engelmann und schlug damit wieder die Brücke zum Hier und Heute, in dem die Ausbildung nach wie vor zu den zentralen Aufgaben der Innung zählt. „Für die Zukunft wünschen wir uns, dass es gelingt, das Dachdeckerhandwerk weiterhin hoch zu halten“, sagte Engelmann.