Alfeld/Kreis Hildesheim (abu).
Viele Unternehmen im Landkreis wollen wieder investieren und auch einstellen – dabei sind Kredite mitunter leichter zu bekommen als Fachkräfte. Landes-Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) machte zudem bei einem Besuch in Alfeld auch den Mitarbeitern von Meteor Mut. Manchmal muss man als Unternehmer einfach Glück haben. Dann steht eines Tages ein Kasache vor der Tür, der gern als Schweißer arbeiten möchte. Wenn der Unternehmer dann Uwe Salzmann heißt, holt er den guten Mann gleich in die Werkstatt, lässt ihn Probeschweißen und stellt ihn nach einem prüfenden Blick auf das Werk gleich ein. "Gute Schweißer brauchen wir immer, und der Mann hatte Talent", erklärt Salzmann. So kam die Alfelder Firma Alu-Kanttechnik zu einem neuen Facharbeiter. Und die sind gar nicht so leicht zu kriegen, wie der Unternehmer gestern bei einem Besuch von Landes-Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) erklärte. Ein Problem, mit dem er in der Region nicht allein dasteht, wie auch Sparkassen-Vorstand Jürgen Twardzik und Hi-Reg-Chef Matthias Ullrich im Gespräch mit vielen Firmen merken. "
Die Nachfrage nach Investitions- Darlehen zieht spürbar an, viele Unternehmer wollen wieder etwas wagen", sagt Twardzik. Doch wer soll in der neuen Werkhalle arbeiten? "Die passenden Fachkräfte zu finden, fällt vielen schwer", weiß der Sparkassen-Vorstand. Ja zu Investitionen – in dieser Hinsicht liegt die Region also voll im Bundestrend mit seinem positiven Geschäftsklima-Index und ähnlichen Kennzahlen. Zumindest im Bereich des Mittelstands, wie Matthias Ullrich feststellt. "Die Betriebe mit 20 bis 50 Mitarbeitern wie Alu-Kanttechnik sind das Rückgrat der Region, und gerade die gehen jetzt voran." Twardzik will aber auch die mitunter schlingernden Autozulieferer in der Region nicht zu skeptisch bewertet sehen: "Wenn es in der Automobil-Industrie brummt, brummt es auch bei denen wieder." Brummen tut auch das Geschäft bei der Alu-Kanttechnik GmbH – sozusagen antizyklisch. Während andere Firmen sich während der Finanz- und Wirtschaftskrise in die Kurzarbeit retteten, arbeiteten die Alfelder mehr als je zuvor. "2008 und 2009 waren Rekordjahre", bilanziert Uwe Salzmann.
"Die Bauwirtschaft ist ja der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung immer etwas hinterher, danach kam das Konjunkturpaket II." Für das nächste Jahr rechnet der Inhaber deshalb mit "einer kleinen Delle", aber nicht mit echten Schwierigkeiten. "Wir haben rund 450 verschiedene Kunden in ganz Deutschland, liefern Aluminium-Bauteile für verschiedene Bereiche", berichtet er. "Dadurch sind wir nicht so abhängig von einzelnen Kunden." Alu-Kanttechnik-Erzeugnisse stecken unter anderem im ZDF-Hauptstadtstudio und in Wänden und Fassaden im Bremer Weserstadion. Wirtschaftsminister Bode zeigte sich in Alfeld sehr beeindruckt. Und weckte vorsichtige Hoffnungen bei einer anderen Sorge der Salzmanns: "Gute Auszubildende zu finden ist ähnlich schwer wie die Suche nach Facharbeitern", merkte Ines Salzmann an. "Was ist mit Migranten?", fragte der Minister. "Da machen wir gemeinsam mit Kultus- und Sozialministerium verstärkt Ausbildungsprojekte, da sind wir spät aufgewacht, aber immerhin." Gern, versetzte Salzmann. Nur: "Wir nehmen gern Migranten, aber es bewerben sich keine." Es sei denn, es steht ein Kasache vor der Tür.
Thema Meteor: Mitarbeitern und Inhabern der Meteor Gummiwerke in Bockenem machte Bode Mut: Wir engagieren uns nur, wenn ein wirklich überzeugender Business-Plan vorliegt, sagte er auf Nachfrage dieser Zeitung mit Blick auf die Zehn-Millionen-Bürgschaft des Landes für Meteor. "Finanzminister Möllring und ich haben uns bei Meteor auch persönlich stark eingesetzt", wirft er sogar seinen eigenen Ruf für das Gelingen der Rettung in die Waagschale. Doch Bode deutete auch an, dass Meteor sehr kurz vor dem Abgrund gestanden haben muss: "Ich war schon überrascht, dass die Banken da mitgezogen haben."
Thema Hafen: Das Land Niedersachsen ist eindeutig für einen Ausbau des Hildesheimer Hafens, erklärte Bode. "Es gibt da offenbar noch Diskussionen mit dem Bund, dabei unterstützen wir die Stadt, weil wir das Vorhaben für sinnvoll halten."