Nordstemmen/Hannover (sky).
„Bauernhof mobil“ titelt eine neue Idee der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) aus Berlin. Bislang bemühte sich der Verband stets zur Grünen Woche in Berlin mit einer Aktion auf die sogenannte „Wertschöpfungskette“ aufmerksam zu mache, erläuterte FNL-Vertreterin Silke Weyberg in den Räumlichkeiten der Zuckerfabrik Nordstemmen: „Dann kamen wir auf die Idee, Räder unter den Stand zu bauen.“ Und damit war der mobile Bauernhof geboren. Seine Premiere soll er kommende Woche in Hannover haben. Thema dieses Mal ist „Zucker“. Was also liegt näher, als sich in Nordstemmen, also im Herzen der Börderegion als Zuckerrübenparadies, umzuschauen? Mit einem Durchmesser von 21 Metern soll von der Aussaat der Zuckerrübe bis zur Verwertung in einer breiten Produktpalette vorgestellt werden, was mit der Frucht aus der Familie der Gänsefußgewächse in der landwirtschaftlichen Industriekette gemacht wird.
„Mehr als 100 verschiedene Sorten an Zuckerprodukten“, teilte Christian Kionka als Nordzucker- Vertreter in einem kurzen Firmenprofil mit. Darunter auch eine eigene Bio-Zuckermarke, die ausschließlich im Nordstemmer Werk hergestellt würde. Trotz der Firmenausdehnung zunächst nach Osteuropa und zuletzt in die skandinavischen Länder bilde der norddeutsche Raum immer noch das Zentrum der Zuckerproduktion, sagte Kionka. Bei stabilen Weltmarktpreisen und einer voraussichtlich weiteren erfolgreichen Zuckerrübenkampagne seien das gute Aussichten, sagte Kionka. Trotz der Quotenfestsetzung bei der Zuckerproduktion durch die EU setze Nordzucker verstärkt auf die Bioethanolproduktion als Zweitverwertung. „Tank oder Teller?“, nannte Helmut Meyer die Alternative in der modernen Landwirtschaft. Der Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolks äußerte sich auch kritisch zu der bisherigen Mentalität der Landwirte, die immer auf ihr ertragreiches Ergebnis an Zuckerrüben in dem nährstoffreichen Bördeboden gebaut haben. „Wir haben mittlerweile 15 Biogasanlagen, das war vor wenigen Jahren noch nicht mal denkbar.“
Überzucker heißt das in der Sprache des Handels mit landwirtschaftlichen Produkten, wenn die Ernteaussichten über die festgezurrte Quote hinausgeht. Und genau so wird es wahrscheinlich auch zum Ende der Kampagne 2009/10 sein, teilte Werksleiter Rudolf Podolsky mit: „Wir haben bereits einen Zuckeranteil von 18 Prozent. Das ist enorm.“ Dabei laufe die Kampagne erst wenige Tage. Trotzdem rollen im Schnitt alle zwei Minuten die Containerfahrzeuge über das Nordstemmer Werksgelände. Über den Ablauf verschaffte sich Silke Weyberg am Ende selbst bei einer Werksbesichtigung ein Bild. Der mobile Bauernhof wird vom 24. bis 27. September auf der Georgstraße in Hannover stehen. Als Höhepunkt soll es am Sonntag, 27. September, ein Erntefest mit Bauernmarkt geben. Während der Woche wird zu Podiumsdiskussionen eingeladen. Ein weiterer Höhepunkt ist am Donnerstag, 24. September, um 17 Uhr mit einer After-Work-Party „Bauer trifft Banker“, zu der Finanzminister Hartmut Möllring erwartet wird.