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5. September 2009 • Hildesheimer Allgemeine Zeitung

„Kinder sind kein Kostenfaktor“

Protest gegen Sparen im Kindergartenbereich auf dem Marktplatz / Petition für Möllring

H i l d e s h e i m (ph). „Kinder sind mehr wert“ stand auf Fähnchen und Transparenten. Kinder, Eltern und Erzieher aus den Kindergärten in freier Trägerschaft demonstrierten gestern auf dem Marktplatz dafür. Kurz vor Finanzminister Hartmut Möllring kam die Polizei. Die Protestierer sollten doch das Kindergeschrei vom Band und über Lautsprecher abstellen, es störe die Anlieger. Typisch, meinte Stadtdechant Wolfgang Voges. Er sprach davon, dass die Belastungen der Erzieherinnen zunehmen, forderte mehr Ausbildung, gesunde Mahlzeiten im Kindergarten, und weil er die Politiker kennt: „Bitte nicht gegenfinanzieren mit dem Abbau von Qualitätsstandards.“ Deutlich wurde auch Superintendent Helmut Aßmann. Sprach von der Gewohnheit, bei Problemen wegzusehen. Oft fehle die Kraft, etwas zu ändern. „Was hier versaubeutelt wird, lässt sich nie wieder reparieren.“ Aßmann wandte sich auch gegen Sparen am falschen Ort. „Das Ausmaß an wirtschaftlichen Verlusten durch Lebensuntüchtigkeit ist größer als alle Investitionen im Bildungsbereich.“ Ein Stichwort für Christian Ceconi, der als Vater sprach. „Kinder sind kein Kostenfaktor“, sagte er. Wandte sich gegen Einsparungen mit drastischen Folgen für die Erzieherinnen.

Zum Beispiel seien im Hortgesetz drei Betreuerinnen für 15 Kinder vorgesehen, in der Praxis seien es zwei. Die sollen dann an einem Vormittag 15 Kinder betreuen, Windeln wechseln und mehr. Damit sich die Zuschauer das plastisch vorstellen konnten, hatten die Veranstalter 15 Babypuppen zum Windelwechseln bereitgelegt. Als Aufgaben der Kindergärten stehe Bildung, Erziehung und Betreuung in dieser Reihenfolge im Gesetz, Praxis sei nun „Bildung, und das so billig wie möglich“. Von einem „Flächenbrand in Niedersachsen“ in Sachen Protest sprach Anne Dame, Fachreferentin beim Caritasverband. „Es brennt in Niedersachsens Kitas.“ Proteste gab es gestern auch in mehreren Orten des Landkreises im Rahmen der landesweiten Aktion. Die Bedeutung frühkindlicher Bildung sei allgemein anerkannt, aber in den vergangenen 20 Jahren habe sich nicht viel verändert. Die Rahmenbedingungen stimmten nicht. Carmen Niebecker, die die Hildesheimer Protestaktion organisiert hat, freute sich, dass alle Kindergärten in freier Trägerschaft mitgemacht hätten, die städtischen allerdings „leider nicht“. Dafür hatten die anderen pfiffige Transparente gebastelt, eine Mini-Fläche des Marktplatzes als Spielraum abgesperrt und Passanten angesprochen. Hartmut Möllring auch. Er und Jutta Rübke nahmen die Petition entgegen. Möllring wies darauf hin, dass das Land derzeit dabei sei, die Kinderkrippen auszubauen.