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16. November 2009 • Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Wie Minister Bode die FDP als Exportschlager ansieht

Wirtschaftsminister Jörg Bode und JU-Vorsitzender Sebastian Lechner zu Gast bei der MIT-CDU / 160 Gäste im KTW Autohaus

Hildesheim (-dt).
Angst hatte Peter Pfeiffer schon. Der Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung MIT, Kreisverband Hildesheim, hatte eigentlich Jörg Bode als Chef der FDP-Fraktion im Landtag eingeladen. Doch dann war Bode plötzlich Minister, weil Vorgänger Philipp Rösler in Berlin Karriere gemacht hatte. „Ich betete jeden Abend“, sagte Pfeiffer im Autohaus KTW, Gastgeber des diesjährigen Abends „Heißes aus dem Potte“. Minister Jörg Bode kam, begrüßte seinen Mit-Minister Hartmut Möllring als Kabinettskollegen und gestand ein, dass ihm diese Formulierung noch ungewohnt war. Weniger ungewohnt dann aber Bodes Optimismus. Zwar bestätigte er, die Wirtschaft befinde sich in „sehr unruhigem Fahrwasser“, die Ausfuhren seien um rund 20 Prozent eingebrochen, aber dennoch böten sich sehr viele Chancen. Dann zählte er eine Vielzahl von Maßnahmen auf, wie Niedersachsen auf die Krise reagiert habe.

„Unsere Ergebnisse können sich sehen lassen“, meinte er, das Kreditvolumen sei inzwischen wieder gestiegen, eine Kreditklemme könne er nicht ausmachen. Bevor er einzelne Maßnahmen nannte, lobte er die FDP. „Wir sind Exportschlager“, sagte er und lobte das im Eiltempo von der Berliner CDU/FDP-Koalition verabschiedete Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Die geringere Mehrwertsteuer im Gaststättengewerbe mache das Land attraktiver, die Erhöhung des Kindergelds senke das Armutsrisiko für junge Familien. Jörg Bode muss die langsam wachsende Geräuschkulisse bei seiner Rede bemerkt haben. Denn fast beschwörend räumte er zum Schluss ein, dass die Staatsverschuldung allein über die Kostenseite nicht beherrschbar sei. Bode: „Wir brauchen Wachstum“, Chancen müssten jetzt mutig angepackt werden. Das war das Stichwort für Sebastian Lechner. Der knapp 29 Jahre alte Volkswirt wartete mit einer Vorschau auf die Gesellschaft von morgen auf. Dort werde es eine „neue Klasse von Kreativen“ geben. Und weil diese Kreativen für ihr Schaffen Helfer benötigten, werde es eine ebenso neue „Service-Klasse“ geben mit vielen neuen Selbständigen.

Arbeitsverträge gebe es „nur noch individuell“, Flächentarifverträge gehörten bald der Vergangenheit an. Der Anteil der Selbständigen werde von heute acht auf bald 25 Prozent anwachsen. Heiße Erkenntnisse präsentierte Lechner dem Motto des Abends treu bleibend auch bezüglich der Lebenswelten. Weil alle älter werden, bleiben alle auch länger jung. Viele Menschen würden im Laufe ihres Lebens bis zu drei Familien gründen oder fünf Berufe erlernen und ausüben. Auch bei den Wahlbeteiligungen sah Lechner starke Veränderungen voraus. Sie werden unter 50 Prozent absacken, es werde mehr ad hoc Demokratie und ad hoc Parteien geben.

„Die Politik hat sich zu wenig auf die Zukunft ausgerichtet“, befand Sebastian Lechner und forderte schließlich seine CDU auf, es der FDP mit der Besetzung neuer Themen nicht so leicht zu machen. Während im Autohaus KTW bei Bodes Rede leichte Unruhe aufkam, stieg bei Lechners Vortrag die Heiterkeit. „Heißes aus dem Potte“ der MIT hatte sich damit erneut als eine für Hildesheim besondere politische Veranstaltung mit Unterhaltungswert etabliert. Für Pfeiffer wird es heiß werden, wenn er den „Pott“ für 2010 ansetzt.