Hildesheim (ber).
Möllring war als erster weg. Auch von Wulff und Schünemann war schon kurz nach dem Aufbau nichts mehr zu sehen. In diesem Fall war das aber auch gut so. Die Rede ist nämlich nicht von den Politikern selbst, sondern von ihren selbst gemachten Marmeladen, die sie den Schülern des Goethegymnasiums zum Verkauf am Stand der Schulen geschickt hatten.
Mit jeder verkauften „Minister- Marmelade“ stieg so auch der Erlös für den Verein Regenbogen, der sich um krebskranke Kinder und ihre Familien in Hildesheim und Umgebung kümmert. Mit dem Körbchen, das die Niedersächsische Landesregierung am Freitag nach Hildesheim schicken ließ, löste Elisabeth Heister- Neumann ihr Wort aus dem vergangenen Jahr ein. Damals war die Kultusministerin von der Hildesheimer Initiative so angetan, dass sie versprach, die Landesregierung werde beim nächsten Mal ebenfalls etwas spenden.
„Das Glas von Herrn Möllring hat ein älterer Herr gekauft, als wir noch dabei waren aufzubauen“, erzählt Heike Wehling. Die jungen Verkäuferinnen Lisanne, Rebecca, Lisa und Lydia können das nicht wirklich verstehen. Ob sie sich einen Minister aufs Brot schmieren würden? „Nein“, sagt Rebecca. Ihre Meinung teilen offenbar viele Weihnachtsmarktbesucher. Während immer mehr Teelichte und vor allem Plätzchen verkauft werden, liegen die Marmeladen von Hans-Heinrich Ehlen, Mechthild Ross-Luttmann und Lutz Stratmann sowie der Honig von Justizminister Bernd Busemann gegen Mittag noch immer im Körbchen, an dem die Fahne mit dem Hinweis auf „Kabinettsköstlichkeiten“ im eisigen Wind weht.
Vielleicht stellen sich die Minister beim nächsten Mal besser in die weihnachtliche „Kabinetts- Bäckerei“. Plätzchen und Pralinen waren bei den Besuchern nämlich sehr begehrt.
Algermissen.
Privater Minister-Auflauf in Algermissen: Zum 65. Geburtstag der Landtagsabgeordneten Ursula Ernst begrüßte sie mit ihrem Ehemann Heinz-Joachim Ernst die Gratulanten, darunter auch einige hochrangige Politiker. Unter ihnen war der ehemalige niedersächsischer Sozialminister Hermann Schnipkoweit. Außerdem stattete auch Hans-Heinrich Ehlen dem Geburtstagskind einen Besuch ab.
Ehlen ist seit der Regierungsübernahme durch Christian Wulff im Jahr 2003 niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung. Ebenfalls aus der niedersächsischen Landesregierung beim Geburtstag dabei war Hartmut Möllring, seit 2003 Finanzminister ist. Der höchstrangige Politiker unter den Gästen war Eckart von Klaeden , der seit 2005 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Auswärtiges der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und seit 2006 Bundesschatzmeister der CDU ist
. Nach der jüngsten Bundestagswahl wurde er von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Staatsminister bei der Bundeskanzlerin ernannt. Doch im Mittelpunkt stand natürlich, mehr als alle Minister und ehemaligen Minister, an diesem Tag das Geburtstagskind selbst – Ursula „Uschi“ Ernst. Von 1976 bis 1986 war sie Mitglied im Ortsrat Algermissen. Seit 1981 ist sie Ratsfrau der Gemeinde Algermissen, darunter von 1993 bis 2003 als Bürgermeisterin und seit 2005 als Ratsvorsitzende. Außerdem gehört sie seit 1996 dem Kreistag des Landkreises Hildesheim an. Seit 1999 gehört Ernst dem Niedersächsischen Landtag an und ist dort im Kultusausschuss vertreten.
Dass sie zum 1. Januar 2010 aus dem Dienst als Lehrerin an der Grundschule Borsum entlassen wird, stimmt sie traurig. „Doch mit der Entlassung habe ich eine Freikarte für den Zoo Hannover bekommen“, erklärte sie und sorgte damit für Belustigung. Aber in der Politik wird sie weiter vollen Einsatz zeigen. „Das sollten Sie aber nicht als Drohung verstehen“, so Ernst. Sie dankte allen bisherigen Wegbegleitern und ganz besonders ihrer Familie, in der sie immer große Unterstützung erfährt. (bei)
Hannover (lni).
Niedersachsens Kabinett sehnt sich nach Ruhe und Besinnlichkeit über Weihnachten. „Ich spüre jetzt schon das Bedürfnis nach Erholung“, sagt etwa Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). „Es war ein ungewöhnliches Jahr mit Wahlen, Krise und VW. Die Familie musste auf vieles verzichten.“ Der Regierungschef ist bereits mit seiner Frau Bettina und Sohn Linus in den Urlaub aufgebrochen. „In die Sonne.“ Mehr will er nicht verraten, weil er am geheimen Ort in Ruhe das machen will, „wozu wir gerade Lust haben“ – ohne Sicherheitsbeamte. Wulff ist der Einzige aus seinem Kabinett, der in sonnigen Gefilden unterwegs ist.
Die meisten Minister bleiben daheim, nur zwei fahren in den Skiurlaub: Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann und Finanzminister Hartmut Möllring (beide CDU). Für die Ministerin geht es am Mittwoch nach Österreich, dabei hätte sie zumindest die Weihnachtstage noch gerne zu Hause verbracht. Gegen die Machtverhältnisse in der eigenen Familie war sie aber chancenlos: „1:4 Stimmen gegen mich.“ Den traditionellen Gang in die Kirche will sie sich aber nicht nehmen lassen. „Der ist fest eingeplant.“
Finanzminister Möllring fährt mit seiner Familie nach Ischgl, aber erst nach den Feiertagen. An Heiligabend gibt es im Hause Möllring „Fondue – wie immer“. Kultusministerin Elisabeth Heister- Neumann (CDU) hebt die Bedeutung der Familie hervor. An Heiligabend gibt es Raclette, weil alle möglichst lange an einem Tisch sitzen wollen. Zusammen mit ihrem Mann und den Töchtern (21 und 23) wird nach dem Essen gespielt. Wie jedes Jahr ist unter den Geschenken ein Gesellschaftsspiel. Am zweiten Weihnachtstag steht der traditionelle Familienmarsch auf den Brocken an.
In Celle sitzt Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) „mit Hund und Sohn unter dem Weihnachtsbaum“. Bei der Bescherung halten sich seine Frau und er an eine feste Reihenfolge: „Erst der Sohn, dann der Hund, dann wir.“ Zu Essen gibt es niedersächsische Hochzeitssuppe, Ragout fin „und natürlich Weihnachtsplätzchen“. Justizminister Bernd Busemann (CDU) freut sich auf „Ruhe und darauf, dass die Familie zusammen ist“. Seine Töchter und er bekommen an Heiligabend von Busemanns Frau jeweils ein eigenes „Wunschmenü“ zubereitet. In diesem Jahr wünscht sich der Minister Rouladen.
Innenminister Uwe Schünemann (CDU) steht wieder selbst am Herd und zaubert seiner Familie ein Dreigängemenü mit Wild. Nach dem Gottesdienst in Holzminden wird dann unter dem Weihnachtsbaum – illuminiert von echten Kerzen – gefeiert.