VON ALBRECHT SCHEUERMANN
Hannover.
Im Vorstand der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) wird erneut ein Stuhl frei: Kapitalmarktvorstand Martin Halblaub nimmt seinen Hut. Er habe „darum gebeten, ihn vorzeitig von seiner Verantwortung als Vorstandsmitglied zu entbinden“, hieß es in einer Mitteilung der Nord/LB vom Montag. Als Grund werden „unterschiedliche Auffassungen über den Ausbau und die weitere strategische Ausrichtung der Kapitalmarktaktivitäten der Bank“ angegeben. Die Personalie ist ein Thema der nächsten Aufsichtsratssitzung am 11. Januar.
Der Nord/LB-Aufsichtsratsvorsitzende und niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring will dem Gremium, wie es hieß, „vorschlagen, dem Wunsch Halblaubs zu entsprechen“. Am gleichen Tag soll auch der Wechsel von Vorstandsmitglied Jürgen Allerkamp an die Spitze der Nord/LB-Tochter Deutsche Hypothekenbank abgesegnet werden. Allerkamp ist bei der Nord/LB für die Bereiche Finanzen und Organisation verantwortlich. Sowohl Möllring als auch Nord/LBChef Gunter Dunkel sparten anlässlich des bevorstehenden Abgangs von Halblaub nicht mit Lob. „Martin Halblaub hat in seiner Amtszeit maßgebliche Beiträge zur Bewältigung der Finanzmarktkrise bei der Nord/LB geleistet“, erklärte der Minister. „Das Kapitalmarktgeschäft der Nord/LB wurde durch Martin Halblaub in kürzester Zeit kundenorientiert ausgerichtet. Er hat einen erheblichen Beitrag zum Erfolg der Nord/LB beigesteuert. Wir verlieren einen ausgezeichneten Kollegen“, kommentierte Gunter Dunkel die Personalie.
Tatsächlich soll es allerdings hinter den Kulissen heftig gekracht haben. Der 42-jährige Halblaub, der am 1. August 2008 in den Vorstand der Bank eingezogen war, gilt zwar als ein ausgezeichneter Fachmann in Sachen Kapitalmärkte, zeichnete sich aber nach Angaben von Kollegen durch einen äußerst „robusten Umgangston“ und ein ausgeprägtes Ego aus. „Halblaub gehört nicht zu den Menschen, die ihr Licht unter den Scheffel stellen“, hieß es. Er war nicht nur in bestimmten fachlichen Fragen überlegen, sondern soll dies Kollegen gerne auch haben spüren lassen.
Abgesehen von solchen zwischenmenschlichen Problemen hing dem jugendlich wirkenden Bankmanager zudem seine Vergangenheit bei der HSH Nordbank an. Halblaub hatte bei dem Hamburger Institut bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2007 jahrelang an führender Stelle das sogenannte Kreditersatzgeschäft vorangetrieben, das sich dann als ein Milliardengrab entpuppte. Zu allem Überfluss holte Halblaub seinen früheren HSH-Kollegen Luis Marti- Sanchez als Bereichsleiter zur Nord/LB. Dieser gilt als Verdächtigter in einem vom Herbst 2006 an von der Londoner HSH-Niederlassung heraus gesteuerten Betrugsfall und wurde im Oktober von der Nord/LB mit sofortiger Wirkung beurlaubt.
Bei den Anteilseigenern der als eher bodenständig geltenden Nord/LB, also den Bundesländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und den Sparkassen dieser Länder sowie von Mecklenburg- Vorpommern, kam auch nicht gut an, dass der mit einer Spanierin verheiratete Halblaub seinen Wohnsitz auf Mallorca beibehielt und am Wochenende regelmäßig zur Familie jettete. Dem Vernehmen nach kommt für die Nachfolge von Halblaub auch eine interne Lösung in Betracht. Einen geeigneten Kandidaten gebe es. Schon beschlossen ist demnach, dass die Stelle von Allerkamp mit einem bisherigen Mitarbeiter besetzt werden soll.