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12. Dezember 2009 • Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Campus wächst nicht in den Himmel

Minister spricht Machtwort: Investor muss Entwurf für Weinberg-HAWK abspecken / Turm fällt

Hildesheim (br).
Finanzminister Hartmut Möllring drückt beim Hochschul-Campus auf die Kostenbremse: Die Umsetzung des Architekten- Entwurfs würde fast doppelt so viel wie die avisierten 33 Millionen Euro kosten. Die Lüder-Gruppe speckt die Pläne nun mit dem Land und der HAWK ab, damit Finanzrahmen und Raumbedarf zusammenpassen. Flach fällt auf jeden Fall der 40-Meter-Turm im Zentrum. Den niedersächsischen Finanzminister bringt selten etwas aus der Fassung. Doch als Möllring jüngst beim Frühstück in dieser Zeitung das Modell sah, mit dem das Büro Baumschlager Eberle beim Architekten- Wettbewerb obsiegte, soll ihm die Lektüre die Laune verhagelt haben: Das, was die Starplaner aus Österreich da aufs Papier geworfen haben, lässt sich mit dem Betrag nicht bezahlen, den Möllring und Wissenschaftsminister Lutz Stratmann vereinbart haben.

Eine Botschaft, die der Minister prompt der Lüder-Gruppe übermittelte. „Alle Beteiligten wussten: 33 Millionen sind die absolute Obergrenze“, ärgert sich Möllring. Doch im Hause des Investors bleibt man gelassen. „Die Entwicklung kommt für uns nicht überraschend“, betont Lüder-Geschäftsführer Carl Matthias Rathgen. Der Entwurf gehe von einer „maximalen Ausdehnung“ der Hochschule aus – damit die HAWK, falls sie künftig wachse, am Noch- Klinikum-Gelände am Weinberg auch auf lange Sicht nicht aus den Nähten platze. „Da ist dann eben manches dabei, was nicht dem aktuellen Raumbedarf entspricht.“ Den hatte das Land mit 14 500 Quadratmetern veranschlagt, nach einer internen Erhebung in der Hochschule. Diese will sich zu den Finanzen nicht äußern, sagte Pressesprecherin Sabine zu Klampen dieser Zeitung: „Das ist Sache des Investors.“ Der ist nach eigenen Angaben kräftig dabei, die Zahlen beider Seiten in Einklang zu bringen. „Wir befinden uns in der Optimierungsphase, das ist normal“, betont Lüder-Vertreter Rathgen, der gleichwohl von „sehr, sehr viel Arbeit“ spricht. Die soll im Frühjahr 2010 abgeschlossen sein. „Dann wissen wir, was gebaut wird und was nicht.“ An einer Stelle ist der rote Strich schon gemacht: Den rund 40 Meter hohen Campus- Turm werde es „so nicht geben“, kündigt Rathgen an. Die Architekten hatten mit dem Bauwerk einen Blickfang setzen wollen, im Stadtentwicklungsausschuss war es – vor allem wegen seiner Höhe – eher als Ballast empfunden worden.

Auch von der Jury des Architekten-Wettbewerbs waren bereits Vorbehalte gekommen: „Das Hochhaus ist mit der vorgeschlagenen Höhe an diesem Standort in unmittelbarer Nähe zu Weltkulturerbestätten undenkbar“, fanden die Experten. Der Firma Lüder reicht ein weniger bedeutungsschwangerer Grund, um den Turm zu kappen. „Wir wollen ihn allein aus Respekt vor den Nachbarn nicht so hoch haben“, sagt Rathgen, dessen Unternehmen selbst am Weinberg sitzt.

Der Entwurf sehe im Hochhaus mehrere Flächen für Veranstaltungen, Seminare und die Verwaltung vor, die nicht benötigt würden. Daher könne das Gebäude getrost kleiner ausfallen – und zwar mit rund 26 Metern so hoch wie das Bettenhaus, das nach dem Klinikum-Umzug der Abrissbirne überlassen werden soll. Und noch eine Baumschlager-Eberle-Planung dürfte in den Papierkorb wandern: Den angedachten Einzug der HAWK-Kinderkrippe in die frühere Krankenhaus-Pathologie hält der Finanzminister schlicht für geschmacklos. „Kinderbetreuung in der Leichenhalle – diese Idee ist schon abgebrüht“, moniert Möllring. Zumal die Krippe an ihrem jetzigen Standort in der Tappenstraße gerade vor einem Jahr für viel Geld hergerichtet worden sei, ein Umzug also Verschwendung wäre. Keine angenehmen Nachrichten für die österreichischen Architekten, könnte man meinen. Doch die werden ihrem renommierten Ruf gerecht, freut sich Rathgen: „Da ist niemand beleidigt, sie kennen den Rahmen und begleiten uns professionell.“

Der Lüder-Vertreter sieht ohnehin trotz der jüngsten Entwicklung vielmehr Anlass zur Freude als zum Trübsalblasen. Denn es sei doch sehr schön, dass das Land überhaupt eine derart große Summe nach Hildesheim fließen lassen will. „Das ist richtig viel Geld.“