Nach seinem Auftritt im Berghölzchen sprach die HAZ mit Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie.
HAZ:
Herr zu Guttenberg, bevor Sie Minister wurden, haben Sie und Eckart von Klaeden drei Jahre lang die Außenpolitik der Union mit bestimmt. Wie lautet Ihr Fazit? Bitte an einem Beispiel.
Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg:
Mit Eckard von Klaeden haben wir einen der erfolgreichsten Außenpolitiker in unserem Lande, der allerdings seinen Wahlkreis nie vergisst. Ein Beispiel für seine gelungene Außenpolitik: Iran, weil es eine Gratwanderung ist. Da setzte er mit seiner klaren Linie Maßstäbe. Er fand Worte, wo andere still bleiben. Das gilt auch für Russland.
Eckart von Klaeden (lacht):
Deswegen waren wir beide auch nicht in die russische Botschaft eingeladen worden.
Mit Hartmut Möllring sind Sie im Verwaltungsrat der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Welche Rolle spielt er dort?
Eine gewichtige, weil er höchst kompetent ein Land vertritt, das sich im Umgang mit Geld sehen lassen kann.
Sie stellen die Bedeutung des Mittelstands heraus. Viele haben aber den Eindruck, dass sich der Staat nur um die Großen kümmert. Was tun Sie gegen die Kreditklemme für kleine Betriebe?
Von den bisherigen 3500 Zusagen aus dem Kredit- und Bürgschaftsprogramm der Bundesregierung sind über 99 Prozent an kleine und mittelständische Unternehmen gegangen. Der Medienrummel konzentriert sich natürlich trotzdem vor allem auf die großen Unternehmen. Den meisten Mittelständlern, die ich kenne, ist das gelegentlich auch nicht unrecht…
Ist es nicht ungerecht, wenn Banken und Kreditinstitute vom Soffin (Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung) Bürgschaften zu ein bis zwei Prozent erhalten, aber zu viel teureren Konditionen oder eben gar nicht weitergeben?
Richtig ist, dass exportorientierte Unternehmen, aber auch manch kleiner Mittelständler Kredite derzeit oft nur zu erheblich verschärften Bedingungen erhalten. Den Banken steht Liquidität zur Verfügung, sie wägen jedoch – auch als Reaktion auf die Wirtschafts- und Finanzkrise – stärker die Risiken ihrer Geschäfte ab. Banken tragen allerdings eine gesamtstaatliche Verantwortung. Deshalb stehen sie aus meiner Sicht in einer klaren Verantwortung, ihr Kreditund Zinsverhalten zu erläutern und gerade auch für ihre Kunden transparent zu machen.
Sie sagten mit einem Unterton von Bitterkeit, inzwischen sei die Milliarde volksnah geworden. Wie soll Deutschland seine Verschuldung angehen?
Wir müssen hier einen klaren und glaubwürdigen Weg einschlagen. Mit der Schuldenbremse, die wir im Rahmen der Föderalismusreform durchgesetzt haben, sind wir eine Selbstverpflichtung zum Defizitabbau im Verfassungsrang eingegangen. Das gilt, und das werden wir umzusetzen haben.
Zugleich wünschen sich viele, dass es nach den Wahlen zu Steuersenkungen kommen soll. Wünschen Sie das auch? Wenn ja, wie soll das bezahlt werden?
Wenn wir zu neuem Wachstum kommen wollen, müssen wir Leistung belohnen und nicht bestrafen – Letzteres geschieht derzeit über die „kalte Progression“. Ich bin fest davon überzeugt: weniger steuerliche Belastung für die Normalverdiener, mehr Kaufkraft für unsere privaten Haushalte, ein einfacheres und gerechteres Steuersystem sind dringend erforderlich, um über mehr Wachstum auch zu einem soliden Staatshaushalt zu kommen. Gegensätze konstruiert oft nur der, der ökonomische Zusammenhänge und praktische Erfahrungen ausblendet.
Interview: Hartmut Reichardt
Hildesheim (br). Über die politischen Fähigkeiten von Erwin Huber lässt sich streiten. Aber in Sachen Biergärten darf man dem früheren CSU-Chef durchaus Urteilsvermögen zutrauen – schließlich hat der Mann vor der Haustür genug Vergleichsmöglichkeiten. Wenn also einer wie der Huber-Erwin sagt, das „Klee“ bräuchte sich auch in München nicht zu verstecken, dann muss an diesem Lob etwas dran sein. Drei Jahre ist es jetzt her, dass Huber in Alfred und Ulla Diedrichs kleinem grünen Reich an der Renatastraße eine Wahlkampfrede hielt. Huber ist längst Geschichte.
Doch das „Klee“ und die Diedrichs sind noch immer da. Man muss kein Bayer sein, um sich bei ihnen wohlzufühlen. Wer an einem warmen Abend unter den hohen alten Linden sitzt, neben sich die Dame des Herzens, eine Runde Freunde an der Seite, vor sich ein kühles Bier, den Blick auf das saftige Grün des Kehrwiederwalls gerichtet, der kann schon mal vergessen, dass er mitten in Hildesheim träumt. Selbst Diedrich, der inzwischen knapp zwei Jahrzehnte in der Renatastraße zuhause ist, kommt in solchen Momenten ins Schwärmen. „Da kann es noch so heiß sein – hier ist die Luft rein und angenehm wie im Sauerstoffzelt.“ Wer dann noch auf deutsche Küche im Allgemeinen und auf bayerische im Besonderen steht, ist im „Klee“ erst recht an der richtigen Adresse.
Doch nicht nur Leberkäs und Eichsfelder Feldkieker sind dort gefragt. Der frühere Stadtdirektor Walter Hoffmann zum Beispiel schwärmt vom Kartoffelsalat der Hausherrin. Die kennt ihre Stärken ganz genau: „Bier gibt’s überall – Sie müssen unser Essen fotografieren“, ruft sie dem Fotografen der HAZ zu. Und damit das auch der Redakteur versteht, der den Text schreibt, setzt sie sich schnell noch zu ihm und ihrem Mann an den Tisch.
Die Liebe zu süddeutschen Gerichten hat Diedrich vor 50 Jahren in München gepackt, wo der gelernte Elektromechaniker damals sein Geld verdiente. Er entflammte derart heftig für die Gastronomie, dass er sein Werkzeug an den Nagel hängte und selbst ins Fach einstieg. Die ersten Schritte unternahm er in den 60er-Jahren in Hannover. Aus dieser Zeit stammt auch Diedrichs Spitzname „der Deutsche“. Der drückt nicht etwa, wie man leicht vermuten könnte, eine politische Geisteshaltung aus. Obwohl der gebürtige Duderstädter stramm bekennt: „Wir Eichsfelder sind von Geburt an rechts und katholisch.“
Und es waren auch nicht die blonden Haare und die blauen Augen, die Diedrich, den Duderstädter, zu Alfred, dem Deutschen, machten. Sondern ein Anzeigenblatt-Redakteur aus Hannover. Der bekam mit, wie der damalige Restaurantbetreiber aus Sorge um die etablierte Kundschaft („bei mir verkehrte die Prominenz“) wegen des wachsenden Anteils von Langhaarigen im Publikum sich demonstrativ vor einem unerwünschten Gast aufbaute und ihm entgegenschmetterte: „So wie Du Hustensaft sieht doch kein Deutscher aus.“ Der Deutsche ist ruhiger geworden, von Rausschmissen Langhaariger im „Klee“ ist jedenfalls nichts bekannt. Die Prominenz kommt dennoch. Finanzminister Hartmut Möllring ist aus alten Hildesheimer Ratsherren-Zeiten ein Freund des Hauses, Oberbürgermeister Kurt Machens ist ebenfalls hin und wieder in der Renatastraße anzutreffen, auch etliche Sozialdemokraten aus der Region schätzen Diedrichs Domizil.
Ganz zu schweigen von Schlagerstar Tony Marshall, der seit 40 Jahren mit dem Hausherren befreundet ist und regelmäßig bei ihm vorbeischaut. Nicht nur zum eigenen Vergnügen: Schon manche Besucherin hat von dem Baden- Badener ein Ständchen bekommen. Erst dieser Tage gingen bei Diedrich zwei Briefe ein, der Herr Marshall möge doch bitte bei der Feier zur Goldenen Hochzeit singen. Musikalische Darbietungen sind Tradition im „Klee“, das schon zu Kaisers Zeiten als Ausflugslokal mit Konzertgarten lockte. Einer von Diedrichs Vorgängern hielt im Garten zwei Affen, um die Gäste zu belustigen. Das schafft der 65-Jährige, dessen Sohn Siegbert rechtlich den Ton in der Renatastraße angibt, auch ohne zweifelhafte tierische Hilfe ganz allein. Die Geselligkeit und Fröhlichkeit des Deutschen sind sprichwörtlich, sein lockeres Mundwerk ist bei vielen Gästen beliebt.
Dem bekannten Anwalt Rolf Bossi warf Diedrich einst in einem Prozess den Satz an den Kopf: „Wir sind hier nicht bei Ihnen in München, wo sie zum Prügeln zu Stühlen greifen, sondern Welfen – wir nehmen die Fäuste“ – angesichts der Karriere des Duderstädters als Amateurboxer ein ernstzunehmender Hinweis. Boxen tut Diedrich längst nicht mehr, seine Sprüche dagegen möchte er noch lange im „Klee“ setzen. Der Pachtvertrag läuft bis 2015, dann wäre Diedrich in einem Alter, wo er sich getrost zur Ruhe setzen könnte. „Doch kann man das denn als Gastwirt überhaupt?“ Eine Frage, die ihre Antwort enthält. Falls also Politpensionär Huber in einigen Jahren mal wieder im Norden unterwegs ist und einen Biergarten nach seinem Geschmack sucht: Die Tür beim „